
Löhne und Gehälter in Rumänien
0. Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Löhne und Gehälter
Die Wirtschaftskrise hat Rumänien mit voller Wucht getroffen. Wie in vielen anderen Ländern führt dies auch in Rumänien zu veränderten Rahmenbedingungen, in weiten Bereichen sogar in überdurchschnittlichem Ausmaß. War es in den letzten Jahren in einigen Regionen schwierig Arbeitskräfte zu finden, ist nun ein starker landesweiter Anstieg der Arbeitslosenzahlungen festzustellen. Innerhalb eines einzigen Jahres (2009) soll die Arbeitslosenquote von 4,9 auf 9 Prozent steigen. Massenentlassungen, Werkschließungen oder Kurzarbeit charakterisieren den momentanen Arbeitsmarkt. Einige Branchen (u.a. Textil, Leder, Schuhe) verringern oder streichen ihre Kapazitäten am Standort Rumänien und werden diese nach der Krise nicht wieder in Rumänien aufbauen, da die Arbeitskraft in Rumänien zu teuer geworden ist.
Erstaunlicherweise hat dies bisher nicht zu unmittelbaren Konsequenzen für das Niveau der in den letzten Jahren stark gestiegenen Löhnen und Gehältern geführt. Im Gegenteil: Im ersten Jahresquartal 2009 sind die Arbeitskosten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 18,5 % gestiegen. In allen anderen Teilen Europas sind die Lohnkosten nur schwach gestiegen oder gar gesunken. Es ist aber damit zu rechnen, dass sich in den kommenden Monaten die Löhne auch in Rumänien an die geänderten Bedingungen anpassen werden. Nach einer Einschätzung der rumänischen Nationalen Kommission für Prognose dürfte sich die Lohnsteigerung im Jahr 2009 bei durchschnittlich 5,2 Prozent einpendeln. Für das Jahr 2010 steigen nach der selben Prognose die Reallöhne um 3,6 Prozent.
In Rumänien stiegen die Löhne in den letzten Jahren schneller als die Produktivität. Heute liegen die Lohnstückkosten in Rumänien teilweise über dem Niveau von Standortwettbewerbsländern wie beispielsweise Bulgarien, Slowakei oder auch Ungarn. Einen gewisse Abfederung dieser Entwicklung erfolgte durch die schwache Landeswährung Leu. Die Währung hat in den letzten Monaten 20 Prozent gegenüber dem Euro verloren. Dadurch blieben die Personalkosten für Investoren aus den Euro-Raum vergleichsweise preiswert.
Ein Ende der Krise in Rumänien ist derzeit nicht in Sicht. Während es im westlichen Europa bereits erste Anzeichen einer konjunkturellen Erholung gibt, erwarten Experten, dass sich die rumänische Wirtschaft erst deutlich später und sehr langsam erholen wird
1. Allgemeines zum Arbeitsmarkt
Die Wirtschaft in Rumänien beschäftigte im Jahr 2007 etwa 4,83 Millionen vertraglich gebundene Arbeitskräfte mit einem Ausbildungsstand, der i.d.R. den Ansprüchen einer europäischen Wirtschaft entspricht. Vor allem die Universitäten im Land entlassen jährlich Absolventen mit sehr guter Ausbildung für die verschiedensten Bereiche. Nachholbedarf gibt es allerdings im Bereich der Fachschulausbildung sowie insgesamt im praktischen Teil.
Die 4,83 Millionen Beschäftigte müssen für die Einkommen von 6,2 Mio. Rentnern aufkommen. Rumänien verzeichnete 2007 eine Beschäftigungsrate von 54 Prozent bei Personen zwischen 15 und 64 Jahren und von 33,4 Prozent in der Altersgruppe 55 bis 64 Jahren. Beide Werte liegen unter dem europäischen Durchschnitt (57,2 Prozent beziehungsweise 34,8 Prozent). Nach Schätzungen der Nationalen Kommission für Prognose (CNP) sind außer den rund 4,83 Millionen offiziellen Arbeitskräfte etwa 1 Million im informellen Sektor tätig. Durch die Einführung der einheitlichen Einkommensteuer (Flat Tax Rate) von 16% Anfang 2005 haben innerhalb von knapp 18 Monaten nur etwa 125.000 Personen aus dem informellen Sektor ein Arbeitsverhältnis in der realen Wirtschaft als Steuerzahler aufgenommen. Offiziellen Schätzungen zufolge arbeiten zur Zeit außerdem 1,5 Millionen Rumänen ständig oder zeitweilig im westlichen Ausland.
Die offizielle Arbeitslosenquote lag im Januar 2009 bei 4,9%, soll aber nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten bis zum Ende des Jahres 2009 auf mindestens 9% steigen. Pessimistischere Prognosen gehen von noch höheren Arbeitslosenzahlen aus, da die große Entlassungswelle in weiten Bereichen noch aussteht. Verschärfend kommt hinzu, dass mit einer Rückkehrwelle von geschätzt einer Million rumänischer Arbeitsmigranten zu rechnen sein wird, die krisenbedingt ihre Beschäftigung im Ausland verloren haben.
Die bisherige Arbeitslosigkeit verläuft regional sehr unterschiedlich. Die höchsten Arbeitslosenquoten verzeichnen die folgenden Kreise:
- Vaslui 9,6%
- Mehedinti 8,6%
- Covasna 7,2%
- Teleorman 6,7%
- Dolj 6,2%
- Gorj 6,0%
- Alba 5,8%
- Galati 5,8%
- Hunedoara 5,5%
- Harghita 5,0%

Die geringsten Arbeitslosenquoten haben die Kreise:
- Timis 1,3 %
- Bukarest 1,7%
- Bihor 2,4%
- Arad 2,4%
- Bistita 2,4%
- Satu Mare 2,4%
- Constanta 2,4%
- Sibiu 2,8%
- Cluj 2,9%
- Botosani 3,2%
- Giurgium Prahova 3,4%
- Maramures 3,6%
- Suceava 3,6%
- Neamt 3,9
- Brasov 4,3%
Quelle: Rumänisches Amt für Statistik 2009
In einigen Regionen Rumäniens führte der anhaltende Wirtschaftsboom in der Vergangenheit zu massiven Engpässen im Bereich der verfügbaren Arbeitskräfte. Insbesondere in den Kreisen Timisoara, Bukarest, Sibiu und Cluj herrschte bis zum Einsetzen der Wirtschaftskrise nahezu Vollbeschäftigung. Beispielsweise lag die Arbeitslosenquote in Timisoara zu Beginn des Jahres 2008 bei 1,3%. Die knappen Personalressourcen erwiesen sich für die Regionen als ernsthaftes Investitionshemmnis, da investitionswillige Unternehmen keine Arbeitskräfte mehr fanden. Zudem lag das Lohnniveau in einigen Teilen deutlich über dem Landesdurchschnitt. Bei Investitionen in der näheren Umgebung der Kreishauptstädte muss nicht selten auf das Arbeitskräftepotenzial des ländlichen Bereichs (40% Rumänen leben noch auf dem Land) zugegriffen werden. Dafür setzten viele Unternehmen eigene Busverkehre ein.
Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt in Rumänien 40 Stunden. Die maximale Arbeitszeit beträgt 192 Stunden im Monat, inklusive Überstunden. Gleitzeit und Teilzeitarbeit sind nach Gesetz möglich. In bestimmten Branchen wie Bauindustrie, Forstindustrie, Landwirtschaft usw., können aufgrund von speziellen Gesetzesbestimmungen abweichende Arbeitszeiten vereinbart werden. Als Nachtarbeitzeit gilt die Arbeit zwischen 22.00 Uhr abends und 6.00 Uhr morgens. Bei mindestens drei Stunden Nachtarbeitszeit muss die tägliche Arbeitszeit mit einer Stunde verkürzt oder ein Zuschlag von mindestens 15% des Grundlohns bzw. -gehalts für jede Stunde Nachtarbeitszeit gezahlt werden (Art. 123 ArbGB).
Im Jahr 2006 haben die Arbeitnehmer in Rumänien im Schnitt 41,3 Stunden in der Woche gearbeitet und liegen damit über dem Durchschnitt in der Europäischen Union. Rumänien belegt Platz fünf nach Großbritannien, Österreich (jeweils 42,4 Stunden), Lettland (42,2 Stunden) und Slowenien (41,4 Stunden). Knapp 10% der Erwerbsfähigen verfügen über einen Universitätsabschluss.
Der gesetzliche Urlaubsanspruch beträgt 20 Arbeitstage, Behinderte und Jugendliche haben einen zusätzlichen Anspruch von mindestens drei Tagen. Was die bezahlten Urlaubstage betrifft, liegt Rumänien auf einem der letzten Plätze in Europa. Der EU-Durchschnitt liegt bei 25,3 Tagen, in Rumänien sind es 24 Tage, weniger Urlaub gibt es nur in Zypern und Estland (20 Tage), in der Slowakei (21,2 Tage) und in Griechenland (23 Tage). Die Schweden haben im Schnitt 33 Urlaubstage, die Deutschen und Dänen 30 Tage (jeweils ohne Feiertage). Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall umfasst maximal 17 Tage. Der bezahlte Schwangerschaftsurlaub beträgt 120 Kalendertage, der unbezahlte Erziehungsurlaub beträgt maximal zwei Jahre. In Rumänien gibt es die folgenden Feiertage:
- 1. und 2. Januar
- Erster und zweiter Osterfeiertag
- 1. Mai
- Erster und zweiter Pfingstfeiertag (seit 2009)
- Maria Himmelfahrt (seit 2009)
- 1. Dezember
- Erster und zweiter Weihnachtsfeiertag
Das gesetzliche Renteneintrittsalter beträgt bei Männern 62 Jahre, bei Frauen 57 Jahre und soll demnächst auf 60 bzw. 65 Jahre steigen. Frauen müssen 30 und Männer 35 Arbeitsjahre nachweisen.
Der Zuschlag für Mehrarbeit, der bei Überstunden sowie an freien Tagen und an Feiertagen anfällt, beträgt 75%. Des weiteren ist festgelegt, dass im Ausland und auf Dienstreise befindliche Arbeitnehmer mindestens die Vergütung erhalten müssen, die Beamten bzw. Angestellten des öffentlichen Dienstes zustehen. Außerdem werden dem Arbeitnehmer zusätzliche Vergütungsbestandteile in Form von Geschenktickets (tichete de cadou) und Krippentickets (tichete de cresa) zugestanden. Die Geschenktickets dürfen jedoch den Gesamtwert von 50 RON/Monat nicht überschreiten. Bei den Krippentickets ist festgelegt, dass der Arbeitnehmer je Kind (bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres) 300 RON/Monat erhält und bei Kinder mit Behinderungen erweitert sich die Regelung um ein weiteres Jahr. Im Falle von Alterspensionierung, des Todes des Arbeitnehmers, sowie der Geburt eines Kindes werden zusätzliche Sonderzahlungen geleistet.
Die Kündigungsfristen in Rumänien sind sehr kurz:
- Arbeitgeber: Ein Monat
- Arbeitnehmer: 15 Tage
- Führungskräfte: 30 Tage
Seit dem 1. Januar 2009 beträgt der gesetzliche monatliche Bruttomindestlohn 600 Lei (ca. 143 Euro). Ursprünglich war von Seiten der rumänischen Regierung geplant, dass ab dem 1. Juli 2009 eine weitere Anpassung an die tatsächliche Entwicklung der durchschnittlichen Bruttogehälter erfolgen soll, falls diese mehr als 5 % von der Jahresprognose für 2009 (=1.820 lei) abweichen. Zu dieser Anpassung ist es bisher nicht gekommen.
Im Dezember 2008 betrug der monatliche durchschnittliche Bruttomonatslohnlohn 2.023 RON. Die höchsten Löhne werden im Finanzbereich (durchschnittlich etwa 3.557 RON, ca. 848 Euro) und im Flugverkehr (durchschnittlich 2.124 RON gezahlt. Die niedrigsten Löhne bestehen in den Branchen der Holzverarbeitungsindustrie (453 RON, ca. 130 Euro) und im Gastgewerbe (861 RON). Ein leichter Rückgang des durchschnittlichen Nettolohnes wurde in der Metallindustrie (895 RON, ca. 262 Euro) verzeichnet. Auch im Transportwesen und im Fremdenverkehr ging der Bruttolohn um 6% auf 1018 RON (ca. 298 Euro) zurück, ebenso in der Förderindustrie, in der die Löhne um 8,8% auf 1120 RON (ca. 327 Euro) gesunken sind. Dagegen wurden durchschnittliche Lohnerhöhungen von etwa 6,3% auf 1160 RON (ca. 339 Euro) in den Bereichen Energie, Heizung, Erdgas- und Wasser-Lieferanten nach Auszahlung von Prämien und Überstunden festgestellt.
Im Mai 2009 lag der monatliche Brutto-Durchschnittslohn bei 1.855 Lei und damit bereits niedriger als in den Vormonaten des Jahres (Februar 2009: 1.863 Lei, März 2009: 1.922 Lei, April 2009: 1.930 Lei). Im Juni 2009 ist der durchschnittliche nominelle Bruttolohn auf 1887 Lei gestiegen.
Rumänien hat in den letzten Jahren reale Lohnsteigerungen über den Wachstumsraten der Arbeitsproduktivität verzeichnet. Mit dem Beitritt des Landes zur Europäischen Union am 1.1.2007 hat sich dieser Trend noch weiter verstärkt. Die Reallöhne wuchsen seit 2005 um zweistellige Zahlen, diese Zuwachsraten sollen aber nach Schätzung der Prognose-Kommission CNP 2009 auf 4,9% sinken, 2010 bis 2013 dann auf 5,5% im Jahr. Im zweiten Quartal 2008 hatte Rumänien nach Angaben von Eurostat mit 22,9% die zweithöchste Zuwachsrate bei nominellen Lohnkosten in der EU im Vorjahresvergleich verbucht (nach Litauen).
Der durchschnittliche Bruttolohn ist in Rumänien seit dem Jahr
2001 im Jahresdurchschnitt deutlich schneller gewachsen als in den anderen
Ländern der Region, wie beispielsweise in Polen, Bulgarien, Kroatien oder Ungarn. In
den letzten vier Jahren ist nach Aussage der Nationalbank Rumäniens
der Bruttolohn in Rumänien um mindestens 22,4 Prozent (2004)
gestiegen. Im Jahr 2001 waren es +48,9 Prozent, im Folgejahr 2002 dann 27 Prozent, 22,4
Prozent im Jahr 2004 und 24 Prozent im Jahr 2005. In der Region wurden
Bruttolohnzuwächse von unter 10 Prozent im Jahr verzeichnet. Die
Nationalbank bestätigte die Berechnungen des Internationalen
Währungsfonds (IWF), wonach im Zeitraum Oktober 2004 bis Oktober
2005 die Löhne der öffentlich Bediensteten in Rumänien im Schnitt
um inflationsbereinigte mehr als 40 Prozent gestiegen sind.
|
Durchschnittliche Bruttolöhne |
|||
| nominal (Lei) |
nominal (Euro) |
Steigerungsrate (in %) real |
|
| 2001 | 422 | 162 | 4,9 |
| 2002 | 532 | 171 | 2,1 |
| 2003 | 664 | 179 | 10,7 |
| 2004 | 818 | 201 | 10,5 |
| 2005 | 947 | 261 | 12,1 |
| 2006 | 1.140 | 360 | 13,7 |
| 2007 | 1.3960 | 372 | 17,5 |
| 2008
(12/2008) |
1.730
(2.023) |
433
(507) |
16,4 |
|
Durchschnittliche Bruttolöhne nach
Branchen in % |
|
| Landesdurchschnitt: 100 | |
|
Hotel und Gastronomie |
63 |
|
Land- und Forstwirtschaft |
69 |
|
Immobilienbranche |
75 |
|
Handel |
85 |
|
Bauwirtschaft |
88 |
|
Verarbeitendes Gewerbe |
90 |
|
Gesundheits- und Sozialwesen |
96 |
|
Transportwesen |
103 |
|
Bildungswesen |
116 |
|
Energiewesen |
151 |
|
Bergbau |
152 |
|
Öffentliche Verwaltung |
157 |
|
Post- und Fernmeldewesen |
171 |
|
Finanzwesen |
297 |
Nach einer Mitteilung des Nationalen Statistikamtes von Rumänien im August 2008 sind die durchschnittlichen Lohnkosten im zweiten Quartal um 21,8 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum ersten Quartal ergab sich somit ein Anstieg um 9,3 Prozent. Der durchschnittliche Monatslohn befand sich bei 1273 Lei oder umgerechnet rund 530 Dollar. Der Hauptgrund für diese Entwicklung sei der zunehmende Mangel an geeigneten Arbeitskräften. Zuletzt habe die Arbeitslosenquote bei einem 16-Jahres-Tief von 3,8 Prozent gelegen. Hinzugekommen seien Beiträge für die Gesundheitsvorsorge und höhere indirekte Kosten für Energie und Transport.
|
Durchschnittliche monatliche
Bruttolöhne nach Branchen in Lei |
|||
| Februar | März | Mai | |
| Gesamt Rumänien | 1.863 | 1.922 | 1.855 |
| Land- und Forstwirtschaft | 1.320 | 1.326 | 1.320 |
| Industrie gesamt | 1.604 | 1.688 | 1.704 |
| Förderindustrie | 2.743 | 2.891 | 3.041 |
| Verarbeitendes Gewerbe gesamt | 1.431 | 1.509 | 1.508 |
| Bauwirtschaft | 1.441 | 1.502 | 1.509 |
| Handel, Reparaturen | 1.491 | 1.541 | 1.526 |
| Hotel und Gastronomie | 975 | 1.019 | 1.024 |
| Transport und Lagerwesen | 1.928 | 1.983 | 2.018 |
| Telekommunikation | 3.343 | 3.533 | 3.413 |
| Finanzwesen | 4.115 | 4.519 | 4.095 |
| Öffentliche Verwaltung | 3,315 | 3.207 | 2.831 |
| Bildungswesen | 2.484 | 2.550 | 2.174 |
| Gesundheitswesen | 1.904 | 1.883 | 1.831 |
(Quelle: Nationales Institut für Statistik, Mai 2009)
Da in Rumänien Löhne und Gehälter oftmals auf "Nettobasis" verhandelt werden, ist eine Ergänzung zu dem Bruttolohnabschnitt sinnvoll.
Der durchschnittliche Nettolohn in Rumänien lag im Jahr 2007 bei 1.026 Lei und im Jahr 2008 bei 1.160 Lei.
Der durchschnittliche Nettolohn ist trotz Wirtschaftskrise im Juni 2009 gegenüber Mai 2009 nominell um 1,7 Prozent auf 1379 Lei gestiegen (umgerechnet ca. 330 Euro). Inflationsbereinigt hat der Nettolohn um 1,5 Prozent zugelegt, teilte das Nationale Institut für Statistik (INS) in Bukarest mit. Im Vergleich zu Juni 2008 wuchs der Nettolohn um nominell 8,3 Prozent (real 2,3 Prozent). Die höchsten Durchschnittslöhne wurden unverändert im Bereich Finanzvermittlungen (3935 Lei) gezahlt, die niedrigsten im Hotel- und Gaststättengewerbe (777 Lei). Die größten Lohnerhöhungen im Juni 2009 (+20,9 Prozent) fanden im Bereich Finanzvermittlungen statt. Zwischen 7 und 10 Prozent mehr Lohn gab es unter anderem in den Bereichen Telekom, Pharma und Getränkeindustrie.
Der durchschnittliche monatliche Nettolohn lag im August 2009 bei 1348 Lei (ca. 315 Euro) und damit um 3 Prozent unter dem Vormonat Juli. Im Vergleich zum August 2008 jedoch lag der Durchschnitts-Nettolohn allerdings um 5,6 Prozent höher. Die höchsten Nettolöhne wurden in der Erdöl verarbeitenden Industrie gezahlt, hier wurde auch der höchste Zuwachs (+14 Prozent) verzeichnet. In der Textilbranche wurden die niedrigsten Löhne gezahlt, den höchsten Lohnverlust mussten die Mitarbeiter der Automobilindustrie (bis zu 10 Prozent) hinnehmen.
Die staatliche Nationale Kommission für Prognose (CNP) rechnet in diesem Jahr 2009 mit einem Rückgang des Reallohns um insgesamt 1,9 Prozent.
Durchschnittliche Nettogehälter nach Branchen, Stand September 2008
- Finanzwesen: 3.054 RON (ca. 802€)
- Versicherungswesen: 2.020 RON (ca. 530€)
- Post & Telekommunikation: 1.895 RON (ca. 497€)
- Beamten + Wehrdienst: 2.066 RON (ca. 542€)
- Schulwesen: 1.385 RON (ca. 364€)
- Industrie: 1.243 RON (ca.326€)
- Gesundheitswesen: 1.235 RON (ca. 324€)
- Baugewerbe: 1.107 RON (ca. 290€)
- Handel: 1.067 RON (ca. 280€)
- Landwirtschaft: 889 RON (ca. 233€)
- Tourismus: 741 RON (ca. 194€)
Die höchsten Nettolöhne werden nach wie vor im Finanzsektor gezahlt, die niedrigsten in der Landwirtschaft, Tourismus/Gastronomie und in der Holzverarbeitungsindustrie (ohne Möbelindustrie).
Folgende Nettolöhne sind für die unterschiedlichen Berufsgruppen einzuplanen.
|
Nettolöhne |
|
|
Ungelernte Arbeitskraft: |
160 - 300 |
|
Facharbeiter: |
190 - 550 |
|
Kaufmännischer Angestellter: |
230 - 800 |
|
Ingenieur: |
350 - offen |
|
Geschäftsführer: je nach Größe der Niederlassung |
800 - offen |
Die niedrigsten Nettodurchschnittslöhne (2008, in Euro) werden in folgenden Kreisen gezahlt:
- Harghita: 232
- Covasna:237
- Maramures: 255
- Teleroman: 258
- Braila: 261
- Hunedoara: 264
Die höchsten Nettodurchschnittslöhne (2008, in Euro) entfallen auf die Kreise:
- Bukarest: 474
- Cluj: 369
- Sibiu: 357
- Gorj: 352
- Constanta: 346
Im Osten des Landes und in den wirtschaftlich schwächer entwickelten Kreisen liegen die Lohn- und Gehaltsstrukturen im unteren Bereich der oben genannten Intervalle. In größeren Städten und im wirtschaftlich gut entwickelten Westen Rumäniens sollte mit den mittleren bis hohen Werten kalkuliert werden. In der Hauptstadt Bukarest ist das mit Abstand höchste Lohn- und Gehaltsniveau innerhalb Rumäniens. Hier muss unter Umständen je nach Branche und Qualifizierung mit dem zwei bis vierfachen dieser Zahlen gerechnet werden. Auch in Wirtschaftszentren wie Timisoara, Cluj, Sibiu oder anderen schnell wachsenden Regionen sind die Löhne und Gehälter vergleichsweise deutlich höher als im Landesdurchschnitt. Zudem ist in diesen Regionen die Arbeitslosigkeit ausgebildeter Fachkräfte gering oder nahezu nicht vorhanden. Daher findet vereinzelt eine Art Wettbewerb um Arbeitskräfte statt, der direkte Auswirkungen auf das Lohnniveau mit sich bringt. Dies gilt insbesondere für gut ausgebildete Fachkräfte im kaufmännischen Bereich oder erfahrene Ingenieure und Facharbeiter. Die Gehälter von Spitzenkräften, Managern und Topingenieuren werden frei verhandelt und können in Einzelfällen durchaus westliches Niveau erreichen. Generell ist die Entlohnung in Unternehmen mit ausländischem Kapital etwa 10 bis 20% höher als in rumänischen Firmen. Welche Kreise wirtschaftlich gut entwickelt sind (und damit auch meist ein höheres Lohnniveau aufweisen) zeigt das folgende Schaubild. Je heller der jeweilige Kreis untermalt ist, desto besser ist der wirtschaftliche Stand. Die besonders dunkel untermalten Kreise sind somit wirtschaftlich schwach entwickelt.

Einen Übersicht der durchschnittlichen Nettolöhne nach Regionen zeigt die folgende Tabelle:
| Durchschnittliche
Nettolöhne nach Regionen in % Jahr 2008 |
|
|
Landesdurchschnitt 100 |
|
|
Bukarest |
122 |
|
Nordosten |
89 |
|
Südosten |
98 |
|
Süden |
97 |
|
Südwesten |
104 |
|
Westen |
101 |
|
Nordwesten |
92 |
|
Zentralrumänien |
92 |
Im Zeitraum 2007 - 2010 soll der durchschnittliche Nettolohn in Rumänien um geschätzte 34,4 Prozent wachsen. Die Region Bukarest-Ilfov liegt dabei weit über dem Landesdurchschnitt. 2010 soll beispielsweise der Nettolohn in Bukarest-Ilfov 1.939 RON erreichen, bei einem Landesdurchschnitt von 1.370 RON.
Den größten Schub im Zeitraum 2007 - 2010 sollen die Löhne in der Region Nordosten mit geschätzten 39,1 Prozent verzeichnen, den niedrigsten im Westen (31,8 Prozent).
Prämien, Provisionen, Boni
Neben dem Nettolohn wird von vielen Unternehmen mit einem ergänzenden Prämien-/ Provisionsmodell gearbeitet. Die häufigsten Komponenten sind:
- Dienstwagen, westlicher Hersteller, gerne Audi.
- Handy mit Freigesprächen
- Private Altersvorsorge
- Private Krankenversicherung
- Aktienzuteilungen
- Übernahme von Leasingraten
- Urlaubsreisen für die Familie
- Fitnesseinrichtungen oder Mitgliedschaften
- Wellness-Abos
- Fortbildungskurse im Ausland
- Restaurantgutscheine
Ob und in welchem Umfang Unternehmen ihren Mitarbeitern Zusatzleistungen gewähren, hängt meist von verschiedenen Faktoren ab:
- Unternehmensgröße
- Westlicher Investor
- Funktion/Stellung im Unternehmen.
Nach wie vor am häufigsten werden Zusatzleistungen aber in entgeltlicher Form in Form von Prämien / Boni angeboten. Unterschiedlich sind die zeitlichen Intervalle, in denen die Zusatzleistungen ausgeschüttet werden. Während manche Unternehmen die Leistungen an den monatlichen Umsatzzahlen ausrichten, schüttet die Mehrzahl der Unternehmen halb- bzw. ganzjährlich aus.
Ausgewählte Zusatzleistungen:
(1) Dienstwagen
Ergebnisse einer Studie erstellt von der Beratungsfirma "Mercer" für "Business Standard" :
- CEOs bevorzugen als beliebtesten Dienstwagen den Audi A6. Damit sind ihre Präferenzen mit denen ihrer Kollegen aus den Ländern Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Bulgarien identisch.
- Top Manager haben eine besondere Vorliebe für Geländewagen oder SÜWs. Dazu gehören u.a. BMW X5, Jeep Grand Cheroke, Audi Q7, VW Touareg.
- Senior Manager: VW Passat, Ford Mondeo, Audi A4, Renault Clio, Skoda Octavia.
Im Jahr 2007 boten 91% der rumänischen Firmen ihren leitenden Angestellten einen Dienstwagen an. Im Jahr 2008 waren dies immerhin noch 86%. Die Quoten für Top Manager, Senior Manager, Junior Manager und Sales Manager sind entgegen dem etwas nachlassenden Gesamttrend sogar gestiegen.
Neue Dienstwagen werden durchschnittlich alle vier Jahre oder nach 150.000 Km bereitgestellt. 66% der rumänischen Firmen bieten deren Angestellten an die Möglichkeit den Dienstwagen zu kaufen.
Viele Unternehmen übernehmen zusätzlich auch die Nebenkosten für Benzin, Autoversicherung, etc. :
- Top-Manager: 69% der Firmen
- Senior Manager: 60%
- Junior Manager: 46%
- 44% andere Positionen
Im Vergleich mit den anderen osteuropäischen Ländern liegt Rumänien gemeinsam mit Bulgarien auf dem letzten Platz was die Bereitstellung von Dienstwagen für Angestellte betrifft. Auf dem ersten Platz ist Slowenien (100% der Firmen bieten Dienstwagen an), danach Polen und Tschechien (95%) sowie Ungarn (90%). Rumänien liegt auch auf den letzten Platz bei Dienstwagen für Top-Manager, die auch für private Zwecke benutzt werden können. Hier liegt Bulgarien auf dem 1. Platz (mit 97%).
(2) Prämien
Das rumänische Finanzministerium hat eine "Kurze Liste" von möglichen Prämien zusammengestellt. In Rumänien sind die Prämienzahlungen unter Umständen höher als der durchschnittliche Lohn. Beamten bekommen bis zu dem fünffachen des Durchschnittslohnes als Prämie:
- Vertraulichkeitsprämie
- Stabilitäts-/ Dauerhaftigkeitsprämie
- Treueprämie
- für den Dr. Titel oder Dozent
- für die Anwendung einer fremden Sprache
- Lobenswertsprämie (Lehrer)
- bei der Rekrutierung neuer Arbeitskräfte im Ausland
- für pädagogische Aktivitäten
- für besondere Missionen
- für Überstunden
- für Nachtarbeit
- für Urkundsbeamten, welche Maschinenschreibenzertifikat haben und welche 30% von deren Arbeitszeit auf der Maschine schreiben
- für Fahrleistung
- für Zifferleistung
- für Führungsleistung
- für Maschinenleistung
- Prämie für Durchführung pädagogischer Aktivitäten
- für den Präsidenten der Abiturkommission
- für Flugleistung (Flugpersonal)
- für besondere Titel (Polizei und Armee)
- "An Bord" Leistungen (Polizei)
- Abspringprämie (mit dem Fallschirm)
- Risiko- und Neurobelastungsprämie
- Entschädigungsgarantie
- Strahlungsentschädigungsgarantie
- Vorbeugungsprämie
- Prämie für Arbeit an der Zollgrenze
- für Aktivitäten, die von Blinden geleistet werden
- für Arbeit in Dörfer oder in abgesonderten Gebieten
- Prämie für Untertauchen
- Prämie für dauerhafte Mission (Polizei), d.h. 25% des Bruttoeinkommens
- Prämie für Aktivitäten gegen Korruption (Polizei)
- Prämie für Hundepflege und -fürsorge
Im Allgemeinen werden in Rumänien Nettolöhne verhandelt. Rechnet man alle Lohnnebenkosten und sonstigen Abgaben hinzu, muss etwa der 1,5 -fache Wert angesetzt werden. Zu den Jahreswechseln 2002/2003 bzw. 2003/2004 wurden die Lohnnebenkosten per Verordnung gesenkt. Unter anderem wurde die Schwerbehindertenabgabe ersatzlos gestrichen und die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung sowie für die Renten- und Krankenversicherung gesenkt. Allerdings wurde die Bemessungsgrenze für die Rentenversicherung auf fünf statt wie bisher drei Bruttodurchschnittslöhne erhöht. Damit werden die besserverdienenden Arbeitnehmer (und damit in den meisten Fällen der Arbeitgeber) stärker belastet. Seit dem ersten April 2004 ist eine gesetzliche Unfallversicherung in Kraft getreten.
|
Arbeitgeberanteile in % |
|
|
Sozialversicherung (3 Sätze) |
|
|
Arbeitslosenversicherung |
0,5 |
|
Krankenversicherung |
5,2 |
|
Zusätzlicher Fond für Unfälle, gefährdungsabhängig |
0,15 bis 0,85, |
| Zusätzlicher Fond für Krankheits-, Mutterschafts- und Kinderpflegeurlaube |
0,85 |
|
Zusätzlicher Garantiefond zur Zahlung von Löhnen und Gehälter |
0,25 |
|
Arbeitskammergebühr |
0,25
|
|
Summe: |
mind. 28 |
|
Arbeitnehmeranteile in
% |
|
|
Sozialversicherung |
10,5 |
|
Arbeitslosenversicherung |
0,5 |
|
Krankenversicherung |
5,5 |
|
Summe: |
16,5 |
Ein Vergleich der durchschnittlichen Arbeitskosten je Stunde zwischen Rumänien, Bulgarien, Polen, Deutschland und der Europäischen Union (Quelle: Statistisches Bundesamt):

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