Ludwigshafen, 10. März 2009 | Nr. 12
IHK-Untersuchung Unternehmensinsolvenzen 2008:
Pleitenzahl in Rheinland-Pfalz weiter rückläufig: niedrigster
Wert seitneun Jahren
Die Zahl der Unternehmenspleiten in Rheinland-Pfalz ist
weiterrückläufig. Im Jahr 2008 meldeten 1.279 Firmen Insolvenz an -
eine Abnahme von7,5 Prozent gegenüber 2007 und die niedrigste
Pleitenzahl seit dem Jahr 2000.
In den Regionen ist das Bild nicht homogen. Den stärksten
Pleitenrückgangverzeichnete mit 37,2 Prozent die Region Trier, die
aber in 2007 als einzigeeine Zunahme verzeichnete. Weniger
Insolvenzen gab es auch in der Pfalz (-9,0Prozent) und in
Rheinhessen (-0,8 Prozent). Das nördliche Rheinland-Pfalz,
derBezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz, musste
dagegen eineZunahme der Firmenpleiten von 2,3 Prozent hinnehmen,
während hier in 2007 derhöchste Rückgang zu verzeichnen war. Dies
sind die Ergebnisse des aktuellenInsolvenzberichtes der IHK
Koblenz, die IHK-Hauptgeschäftsführer Hans-JürgenPodzun und
IHK-Volkswirt Michael Mätzig heute vorstellten. Die
Untersuchungbasiert auf Daten des Statistischen Landesamtes.
"Der erneut deutliche Rückgang der Insolvenzen in
Rheinland-Pfalz isterfreulich und angesichts der sich bereits in
2008 abzeichnenden konjunkturellenAbkühlung auch überraschend. Vor
allem in den ersten Monaten des letztenJahres gingen die
Insolvenzen stark zurück, in der zweiten Jahreshälfte gab esdann
eine Zunahme, die aber noch nicht sehr stark war", so Podzun.
Weniger Insolvenzen gab es vor allem im Bildungs-, Sozial-
undGesundheitswesen sowie in der Grundstücks- und
Wohnungswirtschaft. Abgenommenhaben die Pleiten unter anderem auch
im Gastgewerbe, Baugewerbe und Handel.
Im Bezirk der IHK Koblenz gingen die Insolvenzen in 2008 nur im
KreisCochem-Zell (-33,3 Prozent), in der Stadt Koblenz (-24,6
Prozent) und im KreisBad Kreuznach (-13,2 Prozent) im Vergleich zu
2007 zurück, im Kreis Ahrweilerblieb die Zahl der Insolvenzfälle
konstant.
Einzelunternehmen und Kleingewerbetreibende hatten am meisten
mit demPleitegeier zu kämpfen. Laut Mätzig waren von den Pleiten
landesweit 4.785Beschäftigte betroffen, davon 2.278 im Bezirk der
IHK Koblenz.
"Es gibt immer noch zu viele Unternehmen, die in
Krisensituationen zuspät reagieren", stellte Podzun fest. "Die
Firmen müssen frühzeitigexterne Hilfe ins Haus holen oder
IHK-Angebote wie Seminare zurUnternehmenssicherung und
Insolvenzsprechtage wahrnehmen."
Klare Worte richtet Dr. Rüdiger Beyer, Hauptgeschäftsführer der
IHK Pfalz,an die Politik: "Es sind strukturelle Veränderungen
nötig, wenn die Zahlder Unternehmenspleiten dauerhaft sinken soll.
Die Wirtschaftspolitik derBundesregierung muss sich noch stärker am
Mittelstand ausrichten - schließlichschafft der die meisten
Arbeitsplätze. Konkret heißt das: Stärkung derEigenkapitalbasis
gerade der kleinen und mittleren Unternehmen durch wenigerSteuern,
Abgaben und bürokratische Auflagen. Wichtig ist auch, dass
dieöffentlichen Auftraggeber pünktlich zahlen und der Staat
insgesamt dieSteuergelder nicht zur Rettung weniger Großkonzerne
verschleudert.Investitionen in Bildung und Infrastruktur haben
Priorität."