16. Mai

IHK-Konjunkturbericht Frühsommer

Ludwigshafen. Der Fachkräftemangel ist bei fast jedem zweiten Pfälzer Betrieb derzeit Risikofaktor Nummer eins für die wirtschaftliche Entwicklung. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Pfalz. Besonders klagen das Gast- und das Dienstleistungsgewerbe über fehlende qualifizierte Arbeitskräfte – aber auch zahlreiche Unternehmen aus der Industrie. Zu dieser Verschärfung hat auch die günstige Konjunkturentwicklung beigetragen.

Im Vergleich zur Umfrage zum Jahresbeginn schätzen die Pfälzer Unternehmen sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftsaussichten etwas verhaltener ein. So sinkt der Konjunkturklimaindex leicht von 124 auf 122 Punkte. Die meisten Unternehmen sind aber weiterhin mit dem aktuellen Geschäftsklima im Großen und Ganzen zufrieden (gut: 36% und befriedigend: 55%), zwei Drittel gehen von gleichbleibenden Geschäften in den nächsten zwölf Monaten aus. Der Export dürfte in den nächsten zwölf Monaten weiter zulegen – davon geht inzwischen ein Drittel der Industriebetriebe mit Auslandsbeziehungen aus.

Industrie
Das derzeitige Geschäftsklima bewerten die Industrieunternehmen etwas schwächer als im Januar: 38% der Befragten nennen ihre geschäftliche Situation als „gut“ (Jahresbeginn: 43%), 54% als „befriedigend“ (Jahresbeginn: 48%). Etwas verringert hat sich der Anteil der Unternehmen, die in den kommenden 12 Monaten mit einem Aufwärtstrend rechnen – von 29% zum Jahresbeginn auf jetzt 26%; rund zwei Drittel (genau: 67%, Jahresbeginn: 65%) der befragten Betriebe gehen wie bisher von einem gleichbleibenden Trend aus. Als größtes Risiko für die Geschäftsentwicklung sehen die Industrieunternehmen den Fachkräftemangel (48%; Mehrfachantworten möglich), danach folgt die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise (unverändert 44%). Es folgen mit jeweils 42% die Entwicklung der Inlandsnachfrage und der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Ein Drittel der Betriebe (Jahresbeginn: 26%) rechnet mit einem Anstieg des Exportgeschäfts, von einer konstanten Entwicklung gehen 61% (Jahresbeginn: 68%) aus. Die Investitionsbereitschaft der Hersteller sinkt: So wollen noch 27% der Betriebe (Jahresbeginn: 35%) ihre Budgets erhöhen, mehr als die Hälfte (genau: 57%; Jahresbeginn: 50%) wollen keine Änderungen vornehmen. Wie schon in den letzten Umfragen bleibt die Ersatzbeschaffung (71%; Mehrfachantworten möglich) das Hauptmotiv für Investitionen, danach folgen mit jeweils knapp 40% Produktinnovationen, Kapazitätsausweitungen und Rationalisierungsmaßnahmen. Jeder fünfte Betrieb will Mitarbeiter einstellen (genau: 19%, Jahresbeginn: 15%) und 72% der Befragten (Jahresbeginn: 75%) wollen den Personalstand halten.

Handel
Das Geschäftsklima im Handel hat sich günstig entwickelt. Demnach stufen 37% (Jahresbeginn 29%) ihre Lage als „gut“ ein, knapp die Hälfte (genau: 48%, Jahresbeginn: 59%) als „befriedigend“. Mit einer konjunkturellen Belebung rechnen weiterhin 29%, und 63% (Jahresbeginn: 60%) gehen von einem konstanten Geschäftsverlauf aus. Die Handelsunternehmen sehen eine abflauende Inlandsnachfrage und steigende Arbeitskosten (jeweils 41%; Mehrfachantworten möglich) als größte Risikofaktoren. Auch der Fachkräftemangel (38%) und die steigenden Rohstoff- und Energiepreise (35%) werden als bedeutende Risikofaktoren für die eigene wirtschaftliche Entwicklung angesehen. Die Investitionsneigung ist etwas gesunken: Die Ausgaben erhöhen wollen weiterhin 28% der Befragten, eine Kürzung der Budgets planen mittlerweile 23% (Jahresbeginn: 17%). Die meisten Unternehmen investieren Geld in die Ersatzbeschaffung (62%; Mehrfachantworten möglich), gefolgt von Kapazitätserweiterungen und Rationalisierungsmaßnahmen (je 29%). Die Zahl der Beschäftigten wollen 77% der Befragten konstant halten (Jahresbeginn: 69%), allerdings planen unverändert rund 10% der Unternehmen einen Abbau von Arbeitsplätzen.

Dienstleistungen
Das Geschäftsklima im Dienstleistungssektor hat sich im Vergleich zur Umfrage zum Jahresbeginn abgeschwächt. So sprechen heute 34% von einer guten Lage (Jahresbeginn: 43%) und 62% (53%) von einer befriedigenden Situation. Von einem konstanten Konjunkturverlauf gehen 70% (Jahresbeginn 64%) aus, mit einer Belebung der Wirtschaft rechnen 19% (Jahresbeginn: 21%). Die größten Sorgen bereitet auch den Dienstleistungsunternehmen der Fachkräftemangel (50%; Mehrfachantworten möglich). Danach folgen mit 45% die Entwicklung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und mit jeweils 35% die steigenden Arbeitskosten bzw. der Inlandsabsatz. Die Dienstleister wollen mehr investieren. Ein Drittel (genau: 34%, Jahresbeginn 28%) plant höhere Ausgaben, 56% lassen - wie in der letzten Umfrage - das Investitionsvolumen unverändert. Wie in den anderen Branchen, stehen auch hier Ersatzbeschaffungen (59%; Mehrfachantworten möglich) im Mittelpunkt. Danach folgen Maßnahmen zur Kapazitätsausweitung (32%) und Produktinnovationen (28%). 68% wollen ihren Personalstand in den nächsten zwölf Monaten beibehalten (Jahresbeginn: 63%), 19% (18%) wollen Stellen schaffen.

Gastgewerbe*
Hoteliers und Gastronomen bewerten ihre geschäftliche Lage zu 58% (Jahresbeginn: 43%) als akzeptabel, 32% (39%) sind zufrieden. Die meisten Unternehmen im Gastgewerbe (65%, Jahresbeginn: 60%) schätzen die Geschäftsentwicklung für die nächsten zwölf Monate als konstant ein, 23% (Jahresbeginn: 29%) erwarten eine Belebung der Geschäfte. Zwei Risikofaktoren sind für Hotellerie und Gastronomie besonders gravierend: der Fachkräftemangel (82%; Mehrfachantworten möglich) und die steigenden Arbeitskosten (72%). Ihre Investitionsausgaben steigern wollen in den nächsten zwölf Monaten 42% (Jahresbeginn: 31%) der Befragten, bei 38% (51%) bleibt das Budget gleich. Wie in den anderen Branchen planen die meisten Ersatzbeschaffungen (54%; Mehrfachantworten möglich). Auch für Kapazitätserweiterungen (25%) und Rationalisierungsmaßnahmen (29%) wollen die Unternehmen Geld ausgeben. Der Arbeitsmarkt im Gastgewerbe bleibt stabil. 62% (Jahresbeginn: 69%) der Hotels und Restaurants wollen keine Veränderungen vornehmen und 23% (11%) wollen neue Stellen schaffen.

*Mit Jahresbeginn 2017 werden erstmals die Unternehmen des Gastgewerbes in die Konjunkturumfrage einbezogen.

Der Konjunkturbericht der IHK Pfalz beruht auf der regelmäßigen Befragung von rund 1.800 (bisher 1.500) Unternehmen, überwiegend Handelsregister-Firmen aus den Wirtschaftssektoren Industrie, Handel und Dienstleistungen und Gastgewerbe. Sie repräsentieren rund 70 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Pfalz. Die Ergebnisse sind nach Beschäftigtengrößenklassen gewichtet. Die Konjunkturberichte der IHK Pfalz finden Sie im Internet unter www.pfalz.ihk24.de, Nummer 417.