24. Februar 2017

Wirtschaft gut aufgestellt

IHK-Konjunkturumfrage für die Metropolregion Rhein-Neckar

 

Die Wirtschaft aus der Metropolregion Rhein-Neckar ist zu Jahresbeginn 2017 gut aufgestellt. Die Unternehmen berichten von einer im Vergleich zur Vorjahresumfrage weiterhin günstigen Geschäftslage. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung zeigen sich die Betriebe für die kommenden Monate zuversichtlich. Bei den Geschäftserwartungen ist sogar eine leichte Verbesserung festzustellen. Die Unternehmen lassen sich demnach von den im internationalen Umfeld bestehenden Unsicherheiten bislang noch kaum beeindrucken. Insbesondere die exportierenden Betriebe analysieren ihre Chancen und Risiken in allen großen Weltregionen und stellen sich bei ihren Auslandsaktivitäten breit auf. Mit Blick auf die USA als weltweit größte Volkswirtschaft reagiert die Wirtschaft derzeit eher abwartend und zurückhaltend. Auch der Brexit und die anstehenden Ausstiegsverhandlungen tragen zwar zur Verunsicherung der Betriebe bei, machen sich aber bisher im Stimmungsbild der Unternehmen wenig bemerkbar. Die Investitionsbereitschaft hat sich zu Jahresbeginn spürbar verbessert. Erfreulich ist, dass Kapazitätserweiterungen als Investitionsmotiv an Bedeutung gewonnen haben. Dies sind die zentralen Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie und Handelskammern (IHK) der Metropolregion. Die IHKs Rhein-Neckar, Pfalz, Darmstadt und Rheinhessen erstellen zum 11. Mal zu Jahresbeginn einen gemeinsamen Konjunkturbericht. An der Befragung haben sich rund 840 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe beteiligt.

Geschäftserwartungen

Die Geschäftserwartungen der Wirtschaft aus der Metropolregion haben sich zu Jahresbeginn 2017 verbessert. Derzeit erwarten 27 Prozent der Unternehmen eine günstigere wirtschaftliche Situation. 62 Prozent der Betriebe rechnen mit einer gleichbleibenden und 11 Prozent mit einer schlechteren Entwicklung. Der Saldo steigt von +13 Punkten bei der Vorjahresumfrage auf nunmehr +16 Punkte. Damit liegt er über dem langfristigen Durchschnitt von +11 Punkten. Die Zahlen weisen auf eine erfreuliche Entwicklung der Wirtschaft in den kommenden Monaten hin. Am günstigsten sind die Geschäftserwartungen momentan in der Industrie. Insbesondere bei den Exporten gehen die Unternehmen von deutlichen Zuwächsen aus.

Geschäftslage

Die aktuelle Geschäftslage bezeichnen 44 Prozent der Unternehmen als gut. 47 Prozent der Betriebe berichten von zufriedenstellenden und 9 Prozent von schlechten Geschäften. Mit +35 Punkten liegt der Saldo der Lagebeurteilungen mit einem Punkt leicht über dem Vorjahreswert. Am günstigsten ist die wirtschaftliche Situation im Augenblick in der Industrie und im Dienstleistungsgewerbe. Sowohl die starke Binnennachfrage als auch der Export stützen die wirtschaftliche Entwicklung in der Metropolregion Rhein-Neckar. Der Handel profitiert aufgrund der guten Arbeitsmarktsituation und dem niedrigen Zinsniveau von einer ungebrochenen Konsumbereitschaft der Verbraucher.

IHK-Konjunkturklimaindex

Der IHK-Konjunkturklimaindex für die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar, der sich aus den Bewertungen der Geschäftslage und den Geschäftserwartungen errechnet, liegt zu Jahresbeginn 2017 bei 125 Punkten und damit zwei Punkte über dem Vorjahreswert. „Die leichte Zunahme lässt sich auf die etwas gestiegenen Lagebeurteilungen und Geschäftserwartungen der Unternehmen zurückführen“, erklärt Dr. Axel Nitschke, Hauptgeschäftsführer der IHK Rhein-Neckar. Bezogen auf die Wirtschaftszweige erreicht der Konjunkturklimaindex mit 130 Punkten in der Industrie den höchsten Wert.

Risiken

Bei der aktuellen Befragung ist der Fachkräftemangel das am häufigsten genannte Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung. „Die Ergebnisse zeigen, dass der Fachkräftemangel immer mehr zu einem Wachstumshemmnis für unsere Mitgliedsbetriebe wird. Dies gilt zwar nicht für alle Wirtschaftszweige und Berufsbilder gleichermaßen, aber in der Tendenz nimmt die Sorge der Unternehmen, geeignete Fachkräfte zu finden, in den vergangenen Jahren deutlich zu“, berichtet Nitschke. Als weitere Risikofaktoren nennen die Betriebe die Inlandsnachfrage sowie die Arbeitskosten. Mehr als jeder Dritte führt zudem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko an. Hierunter dürften neben der Unsicherheit über die US-amerikanische Außenwirtschaftspolitik auch die anstehenden Brexit-Verhandlungen sowie die in Europa in diesem Jahr in verschiedenen Ländern stattfindenden Wahlen zählen. Auch die Eurokrise bleibt, insbesondere aufgrund der Unsicherheiten im italienischen Bankensektor, weiterhin als Risikofaktor bestehen. Rund jeder Dritte sieht in den Energie und Rohstoffpreisen eine Gefahr. Damit ist die Bedeutung dieses Risikofaktors im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Insbesondere bei den Strompreisen ist aufgrund der gestiegenen Netzentgelte und der Erhöhung der EEG-Umlage im Jahr 2017 mit einem Anstieg zu rechnen. „Dies trifft energieintensive Industrieunternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, besonders hart“, so Nitschke.

Investitionsklima

Das Investitionsklima hat sich bei der aktuellen Befragung in allen Wirtschaftszweigen verbessert. Zu Jahresbeginn berichten 28 Prozent der Unternehmen, dass sie ihre Investitionstätigkeiten in den nächsten Monaten erhöhen möchten. 58 Prozent der Betriebe gehen von einem gleichbleibenden und 14 Prozent von einem rückläufigen Investitionsvolumen aus. Der Saldo der Investitionsabsichten verbessert sich von +4 Punkten bei der Vorjahresumfrage auf nunmehr +14 Punkte. Die Investitionstätigkeiten dürften demnach in den nächsten Monaten in der Metropolregion zunehmen. Am günstigsten ist die Investitionsbereitschaft derzeit in der Industrie. Hauptmotiv für Investitionen ist branchenübergreifend der Ersatzbedarf, gefolgt von Investitionen in Innovationen.
Die Bedingungen für die Finanzierung von Investitionen sind aufgrund des niedrigen Zinsniveaus weiterhin günstig. Auf seiner Sitzung vom 19. Januar 2017 hat der Rat der Europäischen Zentralbank beschlossen, den Leitzins weiterhin auf dem Rekordtief von 0,00 Prozent zu belassen. Für die Finanzierbarkeit von Krediten, beispielsweise für Investitionen, ist das niedrige Zinsniveau derzeit von Vorteil. Langfristig birgt es jedoch auch Gefahren für die Unternehmen. „Die Betriebe müssen bei einem über einen längeren Zeitraum niedrigen Zinsniveau zunehmend mehr Mittel aus ihrem laufenden Geschäft einsetzen, um die Pensionszusagen auszufinanzieren. Dieses Geld fehlt ihnen dann zu einem späteren Zeitpunkt für Investitionen“, warnt Nitschke.

Beschäftigung

Die Beschäftigungspläne der Unternehmen aus der Metropolregion sind zu Jahresbeginn stabil. Derzeit geben 17 Prozent der Betriebe an, dass sie in den nächsten Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen möchten. 69 Prozent der Unternehmen gehen von einer gleichbleibenden und 14 Prozent von einer rückläufigen Beschäftigtenzahl aus. Der Saldo der Beschäftigungsabsichten liegt mit +3 Punkten nur leicht unter dem Vorjahreswert von +4 Punkten. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt in der Metropolregion Rhein-Neckar ist derzeit insgesamt gut. Im Januar 2017 waren rund 65.140 Personen ohne Arbeit registriert. Die Arbeitslosenquote liegt mit 5,1 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt von 6,3 Prozent. Im Januar dieses Jahres waren bei den Agenturen für Arbeit in der Metropolregion rund 16.000 offene Stellen gemeldet.

Industrie

In der Industrie hat sich die wirtschaftliche Situation, ausgehend von einem guten Niveau bei der Vorjahresumfrage, zu Jahresbeginn 2017 spürbar verbessert. Mit +39 Punkten liegt der Saldo der Lagebeurteilungen deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von +28 Punkten. Am günstigsten bewertet wird die Geschäftslage gegenwärtig von den Unternehmen aus dem Baugewerbe und den Konsumgüterproduzenten. Auch bei den Vorleistungsgüterproduzenten und den Investitionsgüterproduzenten laufen die Geschäfte momentan rund. Zuversichtlich schauen die Industriebetriebe auf die kommenden Monate. Per saldo rechnet rund jeder Fünfte mit einer weiteren Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Insbesondere bei den Investitionsgüterproduzenten haben sich die Erwartungen im Vergleich zur Vorumfrage deutlich verbessert. Der Export bleibt auch im Jahr 2017 ein wichtiges Standbein für die Industrieunternehmen aus der Metropolregion Rhein-Neckar. Per saldo geht fast jeder Dritte von steigenden Ausfuhren in den kommenden Monaten aus. Am günstigsten sind die Exporterwartungen der Konsumgüterproduzenten. Die guten Lage und Erwartungsbeurteilungen wirken sich positiv auf die Investitionsbereitschaft der Industrieunternehmen aus. Der Saldo steigt von 2 Punkten bei der Vorjahresumfrage auf derzeit +18 Punkte. Die Investitionstätigkeiten dürften demnach in den kommenden Monaten spürbar zunehmen. Die Beschäftigungspläne der Betriebe sind hingegen weiterhin verhalten. Die Zahl der Beschäftigten dürfte in den nächsten Monaten insgesamt konstant bleiben. Verschiedene Industrieunternehmen aus der Metropolregion haben jedoch angekündigt, ihre Beschäftigtenzahl am Standort zu reduzieren.

Handel

Im Handel hat sich die wirtschaftliche Situation im Vergleich zur Vorjahresumfrage auf den ersten Blick nicht verändert. „In den beiden Teilbranchen Einzelhandel und Großhandel ist jedoch eine unterschiedliche Entwicklung zu beobachten“, berichtet Nitschke. Im Großhandel hat sich die Geschäftslage etwas abgeschwächt, sie bleibt insgesamt aber weiterhin gut. Die Unternehmen aus dem Einzelhandel berichten hingegen von einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Per saldo bezeichnet jeder fünfte Einzelhändler die Lage als gut. Die Geschäftserwartungen sind im Großhandel zu Jahresbeginn etwas günstiger als im Einzelhandel, wo sie sich im Vergleich zur Vorjahresumfrage abgeschwächt haben. Die Investitionsabsichten sind im Handel zurzeit expansiv ausgerichtet. Der Saldo der Beschäftigungspläne deutet mit +3 Punkten auf eine leicht steigende Beschäftigtenzahl in den nächsten Monaten hin. Der Beschäftigungsaufbau dürfte jedoch hauptsächlich im Einzelhandel stattfinden, für den Großhandel rechnen die IHKs mit einer gleichbleibenden Beschäftigtenzahl.

Dienstleistungsgewerbe

Im Dienstleistungsgewerbe laufen die Geschäfte nicht mehr ganz so gut wie bei der Vorjahresumfrage, die wirtschaftliche Situation bleibt insgesamt aber weiterhin günstig. Insbesondere die unternehmensorientierten Dienstleister berichten von einer guten wirtschaftlichen Situation. Die Unternehmen aus dem Dienstleistungsgewerbe blicken zuversichtlich auf die nächsten Monate. Am günstigsten sind die Geschäftserwartungen der unternehmensorientierten Dienstleister. Im Kreditgewerbe sind die Erwartungen nach wie vor wenig zuversichtlich. Das Investitionsklima hat sich im Dienstleistungsgewerbe bei der Befragung vom Jahresbeginn 2017 etwas verbessert. Am günstigsten ist es momentan bei den Unternehmen aus dem Verkehrsgewerbe. Die Beschäftigungspläne der Betriebe aus dem Dienstleistungsgewerbe haben sich im Vergleich zur Vorjahresumfrage kaum verändert. Der Saldo der Beschäftigungsabsichten steigt bei der aktuellen Umfrage leicht um einen Punkt und liegt derzeit bei +6 Punkten. Die Zahl der Beschäftigten dürfte im Dienstleistungsgewerbe demnach in den nächsten Monaten steigen. „Der Beschäftigungsaufbau wird jedoch nahezu ausschließlich bei den unternehmensorientierten Dienstleistern stattfinden. Die Unternehmen aus dem Kreditgewerbe erwarten hingegen einen Rückgang der Beschäftigtenzahl“, so Nitschke. Im Verkehrsgewerbe dürfte die Zahl der Beschäftigten konstant bleiben.